Naturnahes gärtnern

Vorbeugende Maßnahmen

 

Standortgerechte Bepflanzung:

  • Obstbäume nicht in Nebellagen (Hangfuß,  Flussnähe) → Probleme mit Blütenfrost
  • Rhododendron oder Heidelbeeren nicht auf Standorte mit zu hohem pH-Wert
  • Immergrüne Laubgehölze nicht auf die Südseite setzen →     Probleme bei Frost
  • Rasen nicht auf zu schweren, verdichteten Böden
  • Japanische Ahorne nicht auf zu schwere, verdichtete Böden in die Sonne

 Standortverbesserung (meist die teurere Variante):

  • mindestens 1/3  strukturstabiles Material vor Rasenneuanlage einbringen
  • Bodenlockerung und Förderung des Bodenlebens durch Gründungung
  • Bodenaustausch
  • vorhandene Wurzelunkräuter beseitigen (auch durch Sieben des Oberbodens möglich)

Verwendung toleranter Pflanzen

  • ADR-Rosen (Sorten werden bei Anerkennung intensiv auf Toleranz gegenüber Sternrußtau, Mehltau und Rosenrost geprüft)
  • INKARHO- Unterlagen bei Rhododendron
  • schorftolerante Apfelsorten (z.B. „Topaz“, „Rubinola“)
  • moniliafeste Sauerkirschen (z.B. „Morina“, „Csengödi“)
  • mehltautolerante Weinsorten (z.B. „Muskat Bleu“ und „Birstaler Muskat“)
  • mehltaufeste Stachelbeersorten (z.B. „Invicta“, „Remarka“)
  • Herbsthimbeeren statt Sommerhimbeeren anbauen → da nach der Ernte alles abgeschnitten wird, gibt es kaum Probleme mit dem „Rutensterben“ (= verschiedene Pilze, die an den Ruten für das Folgejahr überwintern) (z.B. „Himbotop“ , „Polka“)

Vorbeugende Pflanzenschutzmaßnahmen

  • keine Aussaat oder Pflanzung, wenn Wurzelunkräuter vorhanden sind. Vorsicht bei „Mutterboden“ oder Kompost unbekannter Herkunft und Qualität!
  • Tomaten nicht ohne Überdachung ins Freiland
  • Gemüseschutznetze oder Vliese gegen Gemüsefliegen auflegen
  • Kartoffeln vorkeimen, frühe Sorten bevorzugen
  • ungünstige Nachbarschaften vermeiden: Birnen nicht in die Nähe von Wacholdern pflanzen
  • Bodenmüdigkeit beachten: Rosen nicht nach Rosen; Äpfel nicht nach Äpfeln
  • Fruchtfolgen beachten: Bei Auftreten von Kohlhernie Boden u.U. aufkalken: ab pH–Wert von 7,2 kaum neue Infektionen. MIndestens 7 Jahre keine Kreuzblütler einplanen, auch keine Zwischenbegrünung mit Senf, Ölrettich oder Raps
  • anfällige Laubgehölze wie Acer und Catalpa nicht ins selbe Pflanzloch setzen, wenn hier schon Laubgehölze eingegangen sind: Verdacht auf Verticillium
  • bei vorhandenen Buchsbaumgärten möglichst nur Pflanzen aus eigener Vermehrung zupflanzen  →   Gefahr der Einschleppung von Cylindrocladium wird verringert
  • Hecken von Chamaeyparis oder Thuja nicht auf zu schweren, staunassen Böden einplanen →   Schäden durch Staunässe/Verdichtung im Wurzelbereich und erhöhtes Risiko für Befall mit Phytopthora   

Sachgerechte Pflanzung

  • Pflanzen sollen so tief sitzen, wie sie in der Baumschule gesessen haben
  • Obstbäume nicht zu tief setzen → Unterlage wirkt nicht mehr optimal
  • Wurzeln von Obstbäumen gegen Wühlmäuse in Drahtkorb setzen und gegen Wild Stämme mit Drahthosen schützen
  • Baumpfähle verwenden: Obstbäume auf schwachwachsenden Unterlagen brauchen zeitlebens einen Baumpfahl
  • bei veredelten Rosen muss die Veredelungsstelle mindestens 5cm tief in den Boden. Dann können sie auch harte Winter überstehen.
  • möglichst nicht in Trockenperioden und besser an bedeckten Tagen pflanzen

 

 

 


Sachgerechte Pflege

Düngen und Mulchen

  • Düngen nach Bodenuntersuchung →bedarfsgerechte Düngung
  • Mulchen der Wurzelscheiben von immergrünen Pflanzen vor dem Winter
  • krankes Holz nicht kompostieren (wichtig z. B. bei Obstbaumkrebs, Monilia und Rotpustelkrankheit)
  • Mulchen zur Unterdrückung keimender Samenunkräuter oder 
  • Wurzelbereich mechanisch oder mit Folien unkrautfrei halten
  • befallenes Laub nicht unter den Wirtspflanzen liegen lassen (z.B. bei Schorf an Apfel oder Sternrußtau an Rosen)
  • dagegen kann und sollte gesundes Laub im Garten verbleiben → Nährstoffrückführung, Förderung des Bodenlebens, weniger Ausgaben für Dünger

 

 

 

Richtiges Wässern

 

  • Laub sollte möglichst nicht nass in die Nacht gehen → Pilzgefahr
  • falls möglich deshalb nicht über Kopf wässern
  • Tropfschläuche und Unterflurbewässerung sparen auch Wasser
  • durchdringend wässern, d.h. wenige, aber große Einzelgaben. Nur dann bildet z.B. der Rasen ein tiefer gehendes Wurzelsystem aus (bis 10 cm tief), das in Trockenperioden nicht so anfällig ist
  • nicht in der prallen Sonne wässern→  hohe Wasserverluste und  Blattschäden durch Wassertropfen (sog. Brennglaseffekt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Winterschutz

 

  • Pflanzen das Erreichen der optimalen Frosthärte ermöglichen: keine zu späte Stickstoffdüngung, kein zu später Schnitt bei Heckenpflanzen (→ fördern Durchtrieb)
  • nicht winterharte Kübelpflanzen rechtzeitig komplett einräumen
  • bei etwas „härteren“ Pflanzen zumindest den Wurzelbereich schützen. Falls möglich: mit dem Kübel vergraben
  • Anhäufeln, Fichtenreiser oder Jute bei Rosen

 

 

 

 

 


Umweltgerechte Pflanzenschutzmaßnahmen

Rechtliche Grundlagen einhalten

  • Prinzipien  des „Integrierten Pflanzenschutzes“ einhalten, d.h. chemische Mittel nur einsetzen, wenn alternative Verfahren versagt haben
  • Nützlinge schonen. Das bedeutet im Freiland vor allem: keine nützlingsschädlichen Mittel einsetzen. Außerdem Nistkästen für Vögel und Hornissen ausbringen und dabei den Katzenschutz beachten. Sachgerechte Winterfütterung von Vögeln: Futterspender, keine Bodenfütterung. Nistkästen vor der nächsten Brutsaison reinigen.
  • zugekaufte Nützlinge einsetzen. Im Freiland funktioniert das fast nur beim Einsatz von Nematoden gegen Dickmaulrüßler oder Gartenlaubkäfer. Im Gewächshaus lassen sich Spinnmilben mit Raubmilben und die „Weiße Fliege“ mit Schlupfwespen bekämpfen.
  • Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nur nach Gebrauchsanleitung

Schnittmaßnahmen (→ mechanischer Pflanzenschutz)

  • Bäume rechtzeitig aufasten oder Zwiesel (Gabelung sog. kodominanter Triebe rechtzeitig entschärfen.
  • Nur kleinere Wunden werden wirklich dauerhaft „heilen“.
  • Falls möglich: während der Vegetationsperiode schneiden → bessere Wundheilung
  • Große Wunden (> 10cm Ø, bei manchen Bäumen schon > 5cm Ø)  führen in den      meisten Fällen später zu Fäulnis.
  • Wundverschlußmittel machen nur Sinn, wenn möglichst noch am gleichen Tag und bei trockener Witterung verstrichen wird
  • Triebspitzen entfernen, in denen Echte Mehltaupilze an Apfel, Stachelbeere oder
  • Wein überwintern
  • bei infizierten Pflanzenteilen (z.B. Obstbaumkrebs, Feuerbrand) Schnittwerkzeug desinfizieren

Andere mechanische Maßnahmen einsetzen:

  • Schneckenzaun oder Zäune gegen Wild oder Weidevieh, Stammschutz (z.B. Draht-hosen) gegen Wild, Vogelschutznetze oder engmaschige Schutznetze gegen die Kirsch-fruchtfliege bei kleinkronigen Kirschbäumen sowie Leimringe gegen Frostspanner
  • Drahtbarrieren oder Fallen gegen Wühlmäuse einsetzen
  • kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf „nicht gärtnerisch, landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich“ genutzten Flächen
  • keine selbst hergestellten „Mittelchen“ verwenden.
  • Die Verwendung selbst hergestellter Pflanzenschutzmittel (z.B. Schmierseife) ist ebenso verboten wie der Einsatz von Salz, Essig usw.
  • zugelassene Pflanzenschutzmittel nur nach Gebrauchsanleitung ausbringen.
  • Dazu gehört auch, sie zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen. Ein Mittel gegen den Birnengitterrost bringt z.B. nur noch wenig, wenn die Blätter schon mit roten Flecken übersät sind.
  • Indikationszulassung beachten: Chemische Pflanzenschutzmittel dürfen nur in den Kulturen und gegen diejenigen Schadtiere/ Krankheitserreger eingesetzt werden, die in der Gebrauchsanleitung stehen
  • in der Gebrauchsanleitung steht z.B. auch, wie oft und in welcher Konzentration ein Mittel eingesetzt werden darf

 

Bienen schonen und fördern

  • keine bienenschädlichen Pflanzenschutzmittel verwenden!  Derartige Mittel sind häufig auch giftig für Wildbienen, andere „Nützlinge“ oder sonstige Insekten (sog. „indifferente“ Arten). Indirekt wird Vögeln oder Fledermäusen die Nahrungsgrundlage entzogen
  • Nester von Wildbienen oder Hummeln nicht beseitigen
  • Nisthilfen für Wildbienen ausbringen
  • ausreichend blühende Pflanzen zur Verfügung stellen. Gefüllt blühende Pflanzen liefern meist weniger Nektar oder Pollen

Andere Arten schonen und fördern

  • Wespen möglichst nicht bekämpfen. Nur wenige Arten sind wirklich aggressiv. Die Nester dieser Arten (Deutsche und Gemeine Wespe) werden so groß, dass man im Ernstfall lieber einen zugelassenen Schädlingsbekämpfer einschalten sollte. Andere Arten sind schon recht selten oder werden mit seltenen Wildbienen verwechselt. Die Hornisse steht unter Naturschutz
  • Überwinterungs- und Nistquartiere von Fledermäusen erhalten
  • Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen zur Verfügung stellen
  • Wassertonnen etc. abdecken, damit z.B. Spitzmäuse (Insektenfresser) oder Igel nicht darin ertrinken
  • geeignete Habitate erhalten oder schaffen. Z.B. Naturnaher Teich für Libellen, Frösche,  Molche, Wasserpflanzen usw.

 

Autor: Hans-Jürgen Borneis - Hessische Gartenakademie   


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Kontakt finden Sie hier:

 

 

KREISVERBAND LAUTERBACH
zur Förderung des Obstbaues, der Garten- und Landschaftspflege e.V.

Horst Türke | Erlenweg 1 | 36358 Herbstein

info@kv-lauterbach.de


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